„Botschafter des guten Willens“

Ehrung: Anton Schugschdinis erhält Bundesverdienstkreuz / Kreisbeigeordneter Gottlieb Ohl hält Laudatio
Hüttenfeld. Eine nicht alltägliche Ehrung vollzog sich im Hüttenfelder Schloss Rennhof am vergangenen Samstagabend. Anton Schugschdinis, Bundesvorstandsvorsitzender der Litauischen Volksgemeinschaft, wurde das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
„Im Namen des Landrates Matthias Wilkes und des Bundespräsidenten Horst Köhler, ist es mir eine sehr große Ehre, diese höchste Auszeichnung zu verleihen, welche die Bundesrepublik Deutschland für herausragende Leistungen um unsere Gesellschaft und unser Gemeinwesen zu vergeben hat“, erklärte Kreisbeigeordneter Gottlieb Ohl in seiner Laudatio. Mit großer Hingabe habe Anton Schugschdinis die Ziele der europäischen Verständigung, besonders im Litauischen Gymnasium, maßgeblich mitgeprägt.
Zusammen mit der Schulleitung sorgte er dafür, dass dieses internationale Bildungsinstitut - und damit auch Lampertheim und der Stadtteil Hüttenfeld – weit über die Grenzen Deutsch-lands bekannt geworden sei. Mit seinen Eltern, die von Stalin zwangsumgesiedelt wurden, kam er 1960 nach Deutschland. „Anton Schugschdinis ist einer der tragenden Persönlichkeiten für die deutsch-litauische Verständigung. Er zeigte sich als treibende Kraft für die gute Beziehung des Landes Hessen zu Litauen“, führte Ohl aus.
In vielfältiger Weise habe sich Schugschdinis als „Botschafter des guten Willens“ eingesetzt. So vermittelt er deutschen Staatsbürgern Ansprechpartner in litauischen Städten und Gemeinden, stellt die Kontakte her und begleitet Interessenten bei Reisen in Litauen. Auch unterstützt und betreut er seit einigen Jahren Gruppen deutscher Besucher aus Vereinen in Lampertheim und der Kirchengemeinde Herz Jesu in Hüttenfeld sowie aus der Kommunalpolitik bei der Vor- und Nachbereitung von Besuchen in Litauen.
Sein Ziel sei dabei, seinen deutschen Mitbürgern die litauische Kultur, mit ihren Wurzeln und Lebensweise nahe zubringen und verständlich zu machen, so Ohl. Das Litauische Gymnasium und die Litauische Volksgemeinschaft waren immer auch wichtige Anlaufstellen für Menschen, die vor der Unabhängigkeit des Staates Litauen nach Deutschland kamen.
Ohl erinnerte an die Unruhen im Jahr 1991, als die Litauer nach Unabhängigkeit strebten. Der frühere Staatpräsident und heutige Europaabgeordnete Vytautas Landsbergis, fand im Anwe-sen des Schlosses Rennhof, das sich im Besitz der Litauischen Volksgemeinschaft befindet, ab und zu Unterkunft. Zu dieser Zeit wurde ein Informationsbüro des litauischen Parlaments in Hüttenfeld errichtet, das von der Volksgemeinschaft finanziert wurde. „Daher wird mit der heutigen Ehrung nicht nur eine Person gewürdigt, sondern auch eine Institution und eine Gemeinschaft, die sich seit mehr als 50 Jahren für die Freiheit und die Menschenwürde der Bewohner Litauens und seiner Emigranten einsetzt“, freute sich Ohl.
Beim Festakt würdigten auch Zweiter Vorsitzender Dr. Vincas Bartusevicius, Irene Timpf, Vorsitzende der Ortsgruppe Hüttenfeld, Thomas Bittner, Stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP sowie Bürgermeister Erich Maier, der im Namen des Magistrats und des Ortsbeirats gratulierte, seine herausragenden, ehrenamtlichen Verdienste.
Sichtbar überwältigt und gerührt war Anton Schugschdinis bei seiner Dankesrede. „Gemein-sam haben wir vieles erreicht. Auch Freundschaften sind entstanden. Ehrenämter sind daher nicht wegzudenken - ich würde es immer wieder machen“, erklärte er. Musikalisch umrahmt wurde die Feier mit Sonaten von Mozart und Beethoven sowie einem litauischen Volkslied von Schülern des Litauischen Gymnasiums.
Von unserer Mitarbeiterin Andrea Hartkorn
Südhessen Morgen
08. Dezember 2008



