Litauischer Nationalfeiertag 2009 in Hüttenfeld
Für die Litauer hat der 16. Februar große Bedeutung/ Ehrengäste und Musiker in Hüttenfeld/ Landsbegis hielt die Festrede
Am Samstag, dem 28. Februar 2009 fand die zentrale Veranstaltung der Litauischen Volksgemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland anlässlich des litauischen Nationalfeiertags im Hüttenfelder Bürgerhaus statt.
Von Anthony Verselis
Die Feierlichkeiten zum litauischen Nationalfeiertag begannen mit dem Lobpreis Gottes. In der Hüttenfelder Herz-Jesu-Kirche versammelten sich die Gläubigen sehr zahlreich zu einem ökumenischen Gottesdienst unter der Leitung von Prälat Edmundas Putrimas (Toronto), dem Delegat der Katholischen Bischofskonferenz Litauens für die Auslandsseelsorge. Mit ihm feierten unter anderem der evangelische Pfarrer Valdas Jėlis (Hagen) und der katholische Geistliche Vidas Vaitiekūnas (Dorsten), Sprecher der Litauerseelsorge bei der Deutschen Bischofskonferenz.
Eröffnung der litauischen Kunstgalerie in Schloss Rennhof mit einer Fotoausstellung
Anschließend versammelten sich die Litauer im Foyer des Schlosses Rennhof zur Eröffnung einer Fotogalerie. Die Leitung der Galerie übernimmt der Direktor des Litauischen Europäi-schen Kulturzentrums, Rimas Čuplinskas. In seiner Ansprache zeigte er sich stolz, als erste Ausstellung die Werke der derzeit besten litauischen Fotografen präsentieren zu dürfen. Die Kuratorin dieser Ausstellung, Dovilė Želčiūtė, erläuterte ihre zusammengetragenen Fotogra-fien und deren Schöpfer. Vytautas Tamoliūnas übergab Čuplinskas ein Kunstbuch, das ein riesiges Bücherpaket, welches er nach Hüttenfeld als Geschenk des Litauischen Künstlerver-bandes mitgebracht hatte, repräsentierte. Damit hat Hüttenfeld nach der Galerie Meile nun eine zweite litauische Galerie – die Fotogalerie Rennhof.
Festakt im Bürgerhaus/ Prof. Vytautas Landsbergis hält die Festrede
Im Anschluss an die Eröffnung der Galerie begann die Feierstunde im Bürgerhaus mit den Nationalhymnen Litauens und Deutschlands. Nach einer Präsentation folgte die Begrüßung durch den Vorsitzenden der Litauischen Volksgemeinschaft, Anton Schugschdinis. Er freute sich, viele Ehrengäste begrüßen zu können. Ganz besonders begrüßte er den Festredner des Nachmittags, den Ersten Staatspräsidenten Litauens nach der erneuten Unabhängigkeit 1990 und heutigen Europaabgeordneten, Prof. Vytautas Landsbergis
.
Des Weiteren begrüßte er zahlreiche Diplomaten, Vertreter der Politik und der Kirchen, ins-gesamt weit
über 20 Ehrengäste. Schugschdinis sagte nach einer Gedenkminute für den im Dezember verstorbenen Direktor des Litauischen Gymnasiums, Andreas Schmidt, dass Litauen in diesem Jahr nicht nur den 1000. Jahrestag der ersten schriftlichen Erwähnung des Namens Litauen in den Quedlinburger Annalen feiert, sondern auch Vilnius als Kulturhauptstadt Europas 2009.
Es folgte ein Intermezzo der Folkloresängerin Danaja, die kürzlich ihre erste CD mit dem Namen „Wind of Baltic“ veröffentlichte. Danach trat der neue hessische Minister für Bundesangelegenheiten, Michael Boddenberg, ans Pult. Über den Festredner Landsbergis sagte der Minister: „Als damals 30-Jähriger habe ich in den Jahren zwischen 1988 und 1991 sehr viel von ihm gehört und ihn bewundert. Ich bin stolz, heute Landsbergis persönlich kennenlernen zu dürfen.“ Anschließend folgten Ansprachen vom Bundestagsabgeordneten Michael Meister, Kreisbeigeordneten Gottlieb Ohl, der die Grüße des Landrats Matthias Wilkes übermittelte sowie von Ortsvorsteher Walter Schmitt in Vertretung von Bürgermeister Erich Maier.
Im Anschluss begann der Höhepunkt der Veranstaltung, die Festrede von Professor Vytautas Landsbergis. Als Thema hatte er sich die Bedeutung des 16. Februar für Litauen ausgesucht.
1918 wurde an diesem Tag die Unabhängigkeit erklärt. Landsbergis kam auf die damalige politische Situation zu sprechen. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs sei Litauen vollständig von der kaiserlichen Deutschen Armee besetzt gewesen. Erst gegen Ende des Jahres habe die Unabhängigkeit Litauens, die 1795 verloren gegangen war, hergestellt werden können.
Zum zweiten Mal habe der 16. Februar im Jahr 1949 Bedeutung erlangt. 1940 sei der baltische Staat von der Sowjetunion annektiert worden, 1941 von Deutschland, 1944 erneut von der Sowjetunion. Gegen diese Okkupation habe sich eine starke Partisanenbewegung gebildet, die den militärischen Kampf gegen den übermächtigen Besatzer bis 1954 aufrechterhielt.
Am 16. Februar 1949 hätten sich die acht höchsten regionalen Partisanenführer zu einer Ge-heimkonferenz getroffen, in der sie eine Deklaration über die Unabhängigkeit Litauens beschlossen, die Besatzung als illegal brandmarkten und als Ziel einen demokratischen Staat auf der Basis der Verfassung von 1922 anstrebten.
Zum dritten Mal sei das Datum von Bedeutung gewesen, als die Unabhängigkeitsbewegung „Sąjūdis“ – unter der Leitung von Vytautas Landsbergis – 1989 in einer Deklaration feststell-te, dass die Eingliederung Litauens in den Staatsverband der Sowjetunion rechtswidrig war, und als Ziel die Wiederherstellung des am 16. Februar 1918 gegründeten und völkerrechtlich anerkannten Staates anstrebte.Und dieses Ziel erreichte Landsbergis: Litauen wurde unabhängig. 18 Jahre besteht Litauen inzwischen wieder als unabhängiger Staat und ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Euro-päischen Union und der NATO.
Reichhaltiges künstlerisches Programm
Nach seinen Worten trat das litauische Folklore-Ensemble „Leliumai“ unter der Leitung der Sängerin Danaja auf. Die neun jungen Damen und ihre Leiterin leben alle in Nordrhein-Westfalen und waren in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in Hüttenfeld.
Die verschiedenen Folkloregruppen des Litauischen Gymnasiums absolvierten nach einer Pause als Kulturprogramm ein komplettes Konzert, bestehend aus einer Inszenierung mit dem Namen „Ewig lebendig“ sowie vokalen und instrumentalen Darbietungen von Chor und Or-chester unter der Leitung von Musiklehrer Gintaras Rucys. Außerdem wurden – unter der choreografischen Leitung von Audrone Ručienė – Volkstänze verschiedener Gruppen aufgeführt.
Nach einer weiteren Pause spielte während des geselligen Beisammenseins die Pop-Gruppe „Vairas“ aus dem litauischen Šiauliai zum Tanz auf. „Vairas“ wurde bereits 1960 gegründet und ist damit eine der ältesten Pop-Formationen Litauens. Schon in den ersten Jahren, also bereits während der dunkelsten Sowjetzeit, habe die Gruppe Musikstücke gespielt, die westlich orientiert waren und die von der damaligen politischen Führung in Litauen aufs Äußerste verteufelt worden seien. „Vairas“ war vor sechs Jahren zum ersten Mal in Hüttenfeld. Im gleichen Jahr waren die Musiker auch während des Weltjugendkongresses nochmals in Lam-pertheim.
Lampertheimer Zeitung 1. und 2. März 2009



