LITAUISCHER NATIONALFEIERTAG Samstag, 24. Februar 2007

Feierstunde in Hüttenfeld
Lampertheimer Zeitung vom 26.2.2007:
Über Vaterlands- und Europaliebe
Litauer in Deutschland feiern ihren Nationalfeiertag in Hüttenfeld: Reden und Kultur
pv. HÜTTENFELD Es gab eine Diskussion über Identität und Vaterlandsliebe: Am Samstagnachmittag fand die zentrale Veranstaltung der Litauischen Volksgemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland anlässlich des Nationalfeiertags im Hüttenfelder Bürgerhaus statt.
Am 16. Februar 1918 hatte Litauen nach 123-jähriger russischer Okkupation seine Unabhängigkeit und die Wiederherstellung der staatlichen Souveränität erklärt. Dieser Tag wurde zum Nationalfeiertag der Litauer. Trotz der wiederholten sowjetischen Besatzung von 1940 bis 1990 feiern die Litauer in aller Welt diesen Tag. Auch das Gymnasium in Hüttenfeld trägt den Namen „Litauisches Gymnasium des 16. Februar“.
Thema des Tages
Die Feierlichkeiten begannen, wie es bei Litauern Tradition ist, mit dem Lobpreis Gottes. Die Feierstunde im Bürgerhaus begann mit der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Litauischen Volksgemeinschaft, Anton Schugschdinis. Er freute sich sehr, dass viele Ehrengäste anwesend waren, darunter viele Diplomaten, Vertreter der Geistlichkeit und der Politik, insgesamt nahezu 30 Prominente. Schugschdinis sprach über die Problematik der Identität des Litauers in Europa. Globalisierung bedeute nicht die Aufgabe der nationalen Identität, auch wenn es nach der Erlangung der Unabhängigkeit anscheinend nichts gebe, um das man kämpfen müsse.
Den Reigen der Grußworte eröffnete der Bischof von Šiauliai, Eugenijus Bartulis. Anschließend begrüßte Lampertheims Bürgermeister Erich Maier die Versammlung. Letzter Redner war der Kreisbeigeordnete Gottlieb Ohl. Er sagte unter anderem, dass die nationale Identität für die Staaten Europas sehr wichtig sei, denn Europa lebe durch seine Eigenarten. Das mache Europa stark, bunt und frei.
Dann endlich begann der Höhepunkt der Veranstaltung, die Festrede des Europaparlamentariers Thomas Mann, der auch Vizepräsident des Beschäftigungs- und Sozialausschusses im Europäischen Parlament ist. Thema seines Referats war „Die erfolgreiche Landung Litauens in der EU“. Er sagte, seit dem Beitritt Litauens zur Europäischen Gemeinschaft strahle das Land grenzenlosen Optimismus aus. Rasant wachsender Export und hohe Binnennachfrage zeugten vom dauerhaften Wirtschaftsboom. Nachdem Thomas Mann auf weitere Aspekte der Mitgliedschaft Litauens in der EU hingewiesen und seine persönliche Sympathie für Litauen zum Ausdruck gebracht hatte, erwähnte er auch die derzeitige deutsche Ratspräsidentschaft und die Notwendigkeit einer Europäischen Verfassung. Gegen Ende seiner Festrede sagte Thomas Mann, dass sowohl Litauer als auch Deutsche das Recht auf Vaterlandsliebe hätten. Und gleichzeitig dürfe man sich auch Europaliebe leisten, wenn er auch wisse, dass diese Art von Liebe noch nicht die innigste sei.
Die verschiedenen Folkloregruppen des Litauischen Gymnasiums absolvierten nach einer Pause ein Konzert, bestehend aus gesanglichen und instrumentalen Darbietungen von Chor und Orchester unter der Leitung von Musiklehrer Gintaras Ručys. Volkstanzgruppen - choreografische Leitung hatte Audronė Ručienė - sorgten ebenfalls für Unterhaltung. Erstmals machten in diesem Jahr auch deutsche Schüler bei litauischen Volkstänzen mit.
Nach einer weiteren Pause spielte die litauische Pop-Gruppe "Safaris" zum Tanz und zum geselligen Beisammensein auf.



