LITAUISCHER NATIONALFEIERTAG Samstag, 28. Februar 2004, Feierstunde in Hüttenfeld
Montag, 1. März 2004 Lampertheimer Zeitung:
Symbol für Solidarität und Freiheitswillen in der Emigration
Litauische Volksgemeinschaft und Litauisches Gymnasium begehen Feststunde zum litauischen Nationalfeiertag in Hüttenfeld / Vytautas Landsbergis hält Gastrede
Von
Dr. Kyra Inachin
Auf Ansteckern und Fahnen prangte das Logo der Veranstaltung, das eine Schülerin des litauischen Gymnasiums, die Abiturientin Egle Vaitkūnaitė, entworfen hat: Das Motiv zeigt auf der rechten Seite die litauischen Nationalfarben gelb-grün-rot, auf der linken Seite die Buchstaben „EU" vor einem blauen Hintergrund, umrahmt von fünfzehn Sternen.
Vor 50 Jahren zog das litauische Gymnasium in das Schloß Rennhof ein und hat seitdem die Schule zu einer international bekannten litauischen Institution ausgebaut. Die Schule war stets ein Symbol für Solidarität und Freiheitswillen der in der Emigration lebenden Litauer. Zu einem der festen Termine im Jahresablaufgehörte immer die Feier des Nationalfeiertages, an dem man der Unabhängigkeitserklärung vom 16. Februar 1918 gedachte. Angesichts der sowjetischen Okkupation war dieses Gedenken meist ein wehmütiger, wenn nicht gar trauriger Anlaß, da Hüttenfeld gleichzeitig das Exil darstellte. Mit Glasnost und Perestroika begannen die Hoffnungen der Litauer auf Freiheit und eine erneute Unabhängigkeit, die zu Beginn der 1990er Jahre schließlich Wirklichkeit wurde. Der 1. Mai 2004, an dem Litauen Teil der Europäischen Union werden wird, stellt einen neuen Meilenstein in der litauischen Geschichte dar.

Ehrengäste des Bundes-, Landes- und Kommunalbereiches
Das sich immer weiter in das Dunkel der Geschichte zuückziehende Datum 16. Februar 1918 erscheint nun als ein „Eckstein im Fundament des im Aufbau befindlichen Staates" freut sich Anton Schugschdinis, Vorsitzender der litauischen Volksgemeinschaft Deutschland, und betont: „Litauen ist auferstanden. Ein altes, ehrvolles, geschichtliches Land ist nicht von der Landkarte verschwunden. Auch die schöne, eigenständige und für Sprach- forscher sehr wichtige Sprache ist erhalte geblieben."
Der Wunsch nach Freiheit der so viele Jahre lang nur in Ausland ausgesprochen wer den durfte, sei so stark gewesen, dass „selbst die blutigsten Kriege und erbarmungslose Okkupationen es nicht erschüttern konnten". Nun müssen die Litauer mit neuen Herausforderungen fertig werden und dürfen an der Gestaltung Europas teilhaben.
„Gefühlvolle Balance"
Anton Schugschdinis forderte die Anwesenden auf, die Freiheit zu verteidigen und zu erhalten. Man dürfe die Lehren der 86 Jahre alten Freiheitserklärung aber nicht vergessen, und man müsse daran erinnern, zu welch hohem Preis Litauen die Freiheit erlangte. Nun werde die Vision eines großen, friedlichen, geeinten Europas für Litauen endlich Realität.
Der Europa-Abgeordnete Thomas Mann ergriff als Erster der Ehrengäste das Wort, um Litauen zu seinen enormen Fortschritten zu gratulieren, die das Land in den wenigen Jahren nach der Unabhängigkeit erzielt habe. Angesichts der erkämpften souveränen Rechte, die Litauen mit seinem EU-Eintritt wieder aufgebe, forderte Mann eine gefühlvolle Balance zwischen nationalem und europäischen Recht. „Wir brauchen keine europäische "Dampfwalze."
Der zweite Gratulant, Staatssekretär im hessischen Finanzministerium Dr. Walter Arnold, überbrachte die Glückwünsche von Ministerpräsident Roland Koch. Mit „Bewunderung und Anteilnahme“ habe man in Hessen nach Litauen gesehen. Litauen sei „ein wichtiger Anker im Baltikum“.
Der Landtagsabgeordnete Roland von Hunnius verwies in seinem Grußwort aber auch auf die vielen Probleme, die es noch zu lösen gelte. Der Lampertheimer Bürgermeister Erich Maier überbrachte die der Gremien, des Magistrats, der Stadtverordneten und des Ortsbeirates und betonte: „Wir sind froh und stolz, dass das litauische Gymnasium hier ein Zuhause gefunden hat
"Volkstum unterstützen"
Mit seinen Wünschen verband er die Zusage, dass man das litauische Volkstum weiterhin unterstützen werde.
Mit der Festrede von Professor Vytautas Landsbergis erreichte die Feierstunde ihren Höhepunkt. Zunächst herrschte einige Unruhe im Publikum, da unzählige Kameras klickten und etliche Blitzlichter aufleuchteten. Viele wollten den Politiker, der „Architekt der neuen Unabhängigkeit" genannt wird, für das Familienalbum verewigen. Das ehemalige Staatsoberhaupt und der heutige Abgeordnete des litauischen Parlaments schlug in seiner Ansprache den Bogen vom 13. Jahrhundert bis heute, um den Anteil Litauens an der europäischen Geschichte zu verdeutlichen. Lang anhaltender Beifall würdigte die Lebensleistung des Politikers.

Vorsitzender A. Schugschdinis und Prof. V. Landsbergis
Nach einer Pause präsentierte die Volkstanzgruppe, der Chor und das Orchester des Litauischen Gymnasiums litauische Folklore. Unter der Anleitung der Tanzgruppenleiterin Audrone Ručienė und dem Musiklehrer Gintaras Ručys ist wieder ein mitreißendes und exzellentes Festprogramm entstanden. Abends sorgte die Popgruppe „Vairas" für ausgelassene Stimmung".



